Sie kennen sicherlich die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, oder? Immer kurz vor Weihnachten begegnet uns die Figur von Ebenezer Scrooge nicht etwa als ehrbarer Kaufmann, sondern als kaltherziger Geizhals. Scrooge zeigt sich gerade am Anfang der Novelle von seiner schlechtesten Seite. Er handelt willkürlich, unberechenbar und ungerechtfertigt. Sein Angestellter zeigt sich völlig verunsichert und ängstlich. Was Scrooge mit unserem heutigen Thema zu tun hat, das sehen wir gleich. Doch kommen wir zunächst mal zu uns.
2022 neigt sich langsam aber sicher dem Ende. Ein Jahr, das bei vielen Menschen mit ganz viel Hoffnung begann. Man hoffte, dass man Corona nun wirklich in den Griff bekommen habe, dass wir uns alle eingespielt und ein Stück weit auch abgefunden haben mit dem Dasein eines Virus, das die Welt im Atem hält. Doch dann war Ende Februar und Russland marschierte in die Ukraine ein- ein Krieg mitten in Europa. Die menschlichen Tragödien, die wir da erleben sind schon schlimm genug. Es hat auch massiven Einfluss auf den Rest der Welt, denn schnell wird deutlich, wie vernetzt wir leben. Vielen war das sicherlich nicht in dieser Art bewusst (siehe 1 Liter Sonnenblumenöl für 5 Euro). Die Inflation nimmt an Fahrt auf und neue unglaubliche Entwicklungen sind zu spüren oder zeichnen sich ab: Steigende Preise, unsichere Jobs, sozialer Abstieg.
Also was nun, was tun? Was bleibt am Ende des Jahres? Was gibt Halt in Zeiten, wo Unsicherheit so massiv um sich greift?
Nun, diese Frage ist groß und komplex und sie lässt sich für viele sicherlich nicht in einem beruflichen Kontext beantworten. Denn hier kommen persönliche Werte, Umstände, vielleicht auch religiöse Aspekte zum Tragen. Aber wie berührt es unsere Tätigkeit als Führungskraft oder als Teamleader?

 

Lasst uns über Vertrauen nachdenken.

Klar ist, wir können diese Welt nicht retten, aber wir können in unserem Einflussbereich reflektiert handeln und einen guten Umgang miteinander fördern und praktizieren. Und vielleicht schaffen wir es durch eine vertrauensbasierte Führung doch für unsere Mitarbeiter in ihrer Tätigkeit kleine Inseln der Ruhe und Stabilität zu schaffen. Einen Ort schaffen, an dem vertrauensvoll miteinander gearbeitet werden kann. Das heißt nicht, dass es nicht mal hektisch werden kann, das ist keine Frage, darum geht es auch nicht, sondern vielmehr auf ein Miteinander von Mitarbeiter und Führungskraft, das geprägt ist durch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.

Was bedeutet das für mich als Führungskraft ganz konkret? Was sind Go`s und No Go`s, wenn es um Vertrauen zwischen Mitarbeiter und Führungskraft geht?

Zunächst einmal: Was ist Vertrauen? Ich finde die Erklärung von Wikipedia bringt es schön auf den Punkt: „Vertrauen bezeichnet eine bestimmte Art von subjektiver, auch emotional gefärbter, Überzeugung, nach der man sein Verhalten einrichtet. Das Vertrauen auf eine andere Person beinhaltet Überzeugungen über ihre Redlichkeit und ihre zukünftigen Handlungsweisen, derart dass diese Person einem hilfreich sein oder jedenfalls nicht schaden werde. Vertrauen bringt daher Kooperation hervor. Das Vertrauen auf einen Inhalt, auf eine Aussage beinhaltet die Überzeugung, dass darin keine Täuschung oder Unwahrheit liegt und dass man sein Handeln schadlos danach ausrichten kann.“ (Quelle: Wikipedia)

Vor einigen Wochen wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, in dem es hieß „Mitarbeiter verlassen ihre Chefs – nicht ihre Jobs“. Laut einer Forsa-Umfrage war der häufigste Kündigungsgrund der eigene Chef. Das fand ich äußerst bemerkenswert und auch recht erschreckend. Der renommierte Management-Experte Prof. Dr. Fredmund Malik hatte passend dazu schon vor vielen Jahren folgende Ansicht formuliert: „Es gibt Führungskräfte, die – wenn man das Lehrbuch als Maßstab nimmt – alles falsch machen
und trotzdem eine ausgezeichnete Situation in ihren Organisationen und Führungsbereichen haben, ein »gutes Klima« und leistungsorientierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und es gibt andere, die alles richtig, alles gemäß herrschender Lehre und Managementseminar tun, die Führungsstilempfehlungen und Motivationslehren kennen und beherzigen und dennoch das Gegenteil erreichen: eine schlechte Stimmung in ihren Verantwortungsbereichen, frustrierte Leute und eine leistungsfeindliche Unternehmenskultur. Wie ist das zu erklären? Geht man der Sache auf den Grund, stellt sich fast immer heraus, dass die wesentlichen Aspekte nicht Motivation und Führungsstil sind, sondern die Frage, ob die Leute ihrem Chef oder ihrer Chefin vertrauen.“ (Malik, Gefährliche Managementwörter, 2017, S. 155)

Der Faktor Vertrauen scheint demnach maßlos unterschätzt zu werden. Und dass in Zeiten, in denen man es sich kaum leisten kann gute Mitarbeiter zu verlieren. Im Sinne eines guten Retentionmanagements sollte nicht nur auf eine tolle Unternehmensmarke, Mitarbeitermotivation und viele Mitarbeiterbenefits gesetzt werden, sondern vermehrt die unmittelbaren Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften betrachtet und geschult werden.

Inwieweit es einer Führungskraft gelingt das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu gewinnen, hängt laut Malik von der Qualität des Verhältnisses zum Mitarbeiter ab sowie der Fähigkeit, Konflikte zu lösen und beizulegen. Auch wenn Mitarbeiter sich über eine Situation aufregen, weil sie verärgert sind über getroffene Entscheidungen oder weil ihnen selbst, Kollegen oder dem Chef Fehler unterlaufen sind, so wollen sie dennoch wissen, dass sie sich auf ihre Führungskraft verlassen können.

 

Wie sieht Vertrauen als Führungskraft ganz konkret aus?

Also, hier eine Reihe von Go´s bzw No Go´s, wie man Vertrauen aufbaut:

    1. Spielen Sie niemals das Spiel der Schuldzuweisung: Stehen Sie zu Ihren Fehlern und denen Ihrer Mitarbeiter.
    2. Feiern Sie Sie den Erfolg Ihres Mitarbeiters und teilen Sie Ihren Erfolg, indem Sie das „Wir“ betonen. Das heißt konkret:
      ➔ Fehler des Mitarbeiters sind nach außen hin Fehler des Chefs,
      ➔ Erfolge der Mitarbeiter gehören den Mitarbeitern (man schmückt sich nicht mit fremden Federn)
      ➔ Erfolge des Chefs, sind Erfolge des Teams
    3. Zuhören ist der Schlüssel zum Aufbau von Vertrauen: Hören Sie genau zu, was Ihre Angestellten zu sagen haben.
    4. Seien Sie authentisch: Spielen Sie kein Rollenspiel. Erfüllen Sie Ihre Pflichten und bleiben Sie in Ihrer Persönlichkeit.
    5. Der Führungsstil spielt keine Rolle: Was zählt, ist effektiv zu sein und das Richtige zu tun. 90% sind grundlegende Umgangsformen. Fordern Sie diese guten Umgangsformen von Ihren Mitarbeitenden ein, da dies die Grundlage für zivilisiertes Verhalten ihrer Interaktionen sind.
    6. Integrität: Was man sagt, muss man auch halten und entsprechend handeln. Und sollten Sie sich doch mal umentscheiden, dann erklären Sie jede Änderung Ihrer Haltung – Ehrlichkeit und Offenheit kennzeichnen Integrität.
    7. Halten Sie sich von Intriganten fern – tolerieren Sie sie nicht und trennen Sie sich so schnell wie möglich von ihnen.
    8. Wenn es zu Schwierigkeiten kommt, dann gehen Sie zumindest in Ihrem unmittelbaren Einflussbereich vertrauensvoll damit um. Vertrauen Sie jedem so weit, wie Sie können. Und auch wenn es Sie Kraft kostet, gehen Sie dabei bis an die Grenze des Vertrauens. Definieren Sie aber klare Regeln.

Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung mit klareren Erkenntnissen über Wahrnehmungen und Meinungen führt zu weniger Missverständnissen und Irritationen. Obwohl es absolut notwendig ist, dass wir als Führungskräfte mit gutem Vorbild voraus gehen und unser Verhalten reflektieren und ggf. auch hart an uns arbeiten müssen, so muss man doch auch sagen, dass Vertrauen nicht erzwungen werden kann. Klar ist aber auch, wenn man das Vertrauen erst einmal verspielt hat und Misstrauen herrscht, ist dies extrem schwierig und manchmal auch unmöglich wieder herzustellen.

 

Vertrauen – und was nun?

Kommen wir zurück zu Scrooge. Dieser muss im Laufe der Erzählung durch eine harte und furchteinflößende Schule gehen, damit er realisiert, was sein Handeln für Auswirkungen hat. Er muss „von oben“ auf sich, seine Beziehung zu seinem Angestellten und sein Verhalten sehen, um zu erkennen, dass er alles andere als vertrauenswürdig ist. Er tut dies durch 3 Geister, die ihn in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft blicken lassen.
Nun gehe ich davon aus, dass uns solche Geister in der nächsten Zeit nicht begegnen werden, aber wir haben etwas anderes. Für viele stehen bald die Weihnachtsferien an. Zeit zur Besinnung, Zeit zum Reflektieren und Sortieren. Nehmen Sie sich doch mal die oben genannten Punkte vor und reflektieren Sie, wie Sie in der Vergangenheit mit solchen Situationen umgegangen sind.
Fangen Sie an Fehler einzugestehen und sich diese zu vergeben und nehmen Sie sich im gleichen Atemzug vor, es zukünftig besser zu machen. Vielleicht brauchen Sie dazu Unterstützung. Hier bietet sich vielleicht das private Umfeld an oder ein guter Freund. Und wenn Sie das nicht möchten, dann können Sie sich auch an einen professionellen Coach wenden. Ein ausgebildeter Coach begleitet Sie für eine definierte Zeit lang zu einer bestimmten Frage- bzw. Problemstellung. Das MSP-Team hat mit Insa Lustinetz und Ivo Haase zwei ausgebildete Coaches, die gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen und im gemeinsamen Prozess Lösungen mit Ihnen erarbeiten

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